Bezahlen wir die KI mit unseren Daten?

Künstliche Intelligenz ist für viele Menschen inzwischen zu einem alltäglichen Werkzeug geworden. Dienste wie ChatGPT, Claude oder Gemini schreiben Texte, übersetzen Dokumente, erstellen Bilder und beantworten innerhalb weniger Sekunden komplexe Fragen. Ein Teil dieser Angebote kann kostenlos genutzt werden. Gleichzeitig benötigen die Anbieter riesige Rechenzentren und zehntausende leistungsfähige KI-Chips, häufig von Nvidia.

Damit stellt sich eine berechtigte Frage: Wenn der Betrieb so teuer ist und manche KI-Unternehmen noch keine nachhaltigen Gewinne erzielen, wie werden diese Kosten finanziert? Und bezahlen Nutzer am Ende mit ihren persönlichen Daten?

Warum der Betrieb von KI so teuer ist

Moderne KI-Modelle benötigen sowohl beim Training als auch bei jeder späteren Nutzung enorme Rechenleistung. Das Training eines grossen Sprachmodells kann Wochen oder Monate dauern. Doch auch danach entstehen laufend Kosten.

Jede Frage muss verarbeitet und jede Antwort neu berechnet werden.

Hinzu kommen Ausgaben für Rechenzentren, Strom, Kühlung, Datenspeicherung, Netzwerktechnik, Forschung und hoch qualifizierte Fachkräfte. Nvidia profitiert stark von dieser Entwicklung, weil seine Grafikprozessoren und KI-Systeme in vielen Rechenzentren zum Einsatz kommen.

Je mehr Menschen einen KI-Dienst verwenden und je komplexer ihre Anfragen werden, desto höher können die laufenden Kosten ausfallen. Ein kostenloser Dienst ist deshalb keineswegs kostenlos.

KI-Unternehmen verdienen bereits Geld

Die Aussage, KI-Anbieter würden überhaupt kein Geld verdienen, ist nicht ganz richtig. Viele erzielen bereits hohe Umsätze. Ob diese Einnahmen nach Abzug sämtlicher Investitionen und Betriebskosten zu einem dauerhaften Gewinn führen, ist jedoch eine andere Frage.

Zu den wichtigsten Einnahmequellen gehören:

  • kostenpflichtige Abonnements für Privatpersonen,
  • Unternehmens- und Teamtarife,
  • Gebühren für die Nutzung von Programmierschnittstellen, sogenannten APIs,
  • Cloud- und Infrastrukturverträge,
  • Lizenzvereinbarungen und strategische Partnerschaften,
  • Kapital von Investoren
  • sowie zunehmend Werbung in kostenlosen Angeboten.

Vor allem Unternehmenskunden sind attraktiv. Sie bezahlen für höhere Leistung, zentrale Verwaltung, Sicherheitsfunktionen und vertraglich geregelten Datenschutz.

Kostenlose Privatangebote erfüllen dagegen häufig eine andere Funktion: Sie machen den Dienst bekannt, gewinnen neue zahlende Kunden und liefern Erkenntnisse darüber, wie Menschen die Technologie verwenden.

Werden persönliche Daten verkauft? –
Das habe ich die KI gefragt 😊

Und dies war die Antwort:

Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Das direkte Verkaufen persönlicher Chatverläufe an Datenhändler ist nicht dasselbe wie die interne wirtschaftliche Nutzung von Nutzerdaten.

Die grossen KI-Anbieter erklären in ihren Datenschutzbestimmungen in der Regel, zu welchen Zwecken sie Daten erfassen, verarbeiten und an Dienstleister weitergeben. Daraus lässt sich jedoch nicht pauschal ableiten, dass persönliche Unterhaltungen wie eine Ware an beliebige Unternehmen verkauft werden.

Trotzdem können Nutzerdaten für einen KI-Anbieter wirtschaftlich sehr wertvoll sein. Dazu gehören nicht nur die eingegebenen Texte, sondern möglicherweise auch Nutzungszeiten, verwendete Funktionen, Geräteinformationen, der ungefähre Standort, Bewertungen von Antworten und das allgemeine Interaktionsverhalten.

Der passendere Begriff lautet daher häufig nicht Datenverkauf*, sondern* Datenverwertung*.*

Also: Wenn meine Daten, „die für Geld erworben werden“, für das Training genutzt werden, heisst es dann nicht mehr Datenverkauf, sondern Datenverwertung?

Aber im Endeffekt ist es doch das Gleiche. Ob meine Daten für Werbezwecke genutzt werden oder für das Training, sie haben einen wirtschaftlichen Wert für den Anbieter.

Was Datenverwertung bedeutet

1. Verbesserung und Training der Modelle

Je nach Anbieter, Tarif und gewählten Einstellungen können Eingaben dazu verwendet werden, Modelle zu verbessern. Gespräche zeigen beispielsweise, bei welchen Fragen die KI Fehler macht, welche Antworten hilfreich sind und welche Funktionen besonders häufig verwendet werden.

Diese Informationen müssen nicht an Dritte verkauft werden, um einen grossen wirtschaftlichen Wert zu besitzen. Ein besseres Modell kann mehr Kunden gewinnen, bestehende Nutzer binden und die Position gegenüber der Konkurrenz stärken.

2. Personalisierung

KI-Dienste können frühere Interaktionen verwenden, um Antworten und Empfehlungen stärker an einzelne Personen anzupassen. Das kann praktisch sein, führt aber gleichzeitig zu detaillierteren Nutzerprofilen.

Entscheidend ist, ob diese Funktion transparent erklärt wird, freiwillig steuerbar ist und sich vollständig deaktivieren lässt.

3. Werbung

Werbung ist ein naheliegendes Finanzierungsmodell für kostenlose KI-Angebote. Dabei müssen Werbekunden nicht zwingend den Namen oder den vollständigen Chat einer Person erhalten. Für die Auswahl passender Anzeigen kann es bereits genügen, Interessen, den aktuellen Gesprächskontext oder bisherige Reaktionen auf Werbung auszuwerten.

OpenAI beschreibt in seiner europäischen Datenschutzrichtlinie mittlerweile Werbefunktionen für bestimmte kostenlose Angebote. Abhängig von den verfügbaren Einstellungen und der Einwilligung können dabei unter anderem der Kontext einer Unterhaltung, frühere Chats und die Interaktion mit Anzeigen eine Rolle spielen. Nach Angaben des Unternehmens erhalten Werbekunden zusammengefasste Auswertungen, beispielsweise zu Aufrufen und Klicks.

Das zeigt: Auch ohne den klassischen Verkauf eines Chatverlaufs können Gespräche indirekt zur Finanzierung eines Dienstes beitragen.

Was wir als Nutzer selbst tun können

Das Wichtigste ist, auf keinen Fall Passwörter, Zugangsdaten, Patientendaten, unveröffentlichte Verträge oder Geschäftsgeheimnisse in einen kostenlosen oder kostenpflichtigen KI-Dienst einzugeben.

Darüber hinaus empfiehlt es sich:

  • die Datenschutz- und Trainingseinstellungen zu überprüfen,
  • die Möglichkeit zu nutzen, die Modellverbesserung durch eigene Inhalte zu deaktivieren,
  • für sensible Anfragen einen temporären Chat zu verwenden
  • und im geschäftlichen Umfeld nur ausdrücklich freigegebene KI-Lösungen einzusetzen.

Es wird oft empfohlen, Chats aus der sichtbaren Historie zu löschen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sämtliche technischen Protokolle sofort entfernt werden. Aufbewahrungsfristen und mögliche Ausnahmen sollten deshalb ebenfalls geprüft werden.